Freitag, 08 Februar 2019 19:00

38. HV und Degustation Primitivo versus Zinfandel - auf den Spuren einer Rebsorte

Die ordentlichen Traktanden können zügig behandelt werden. Unsere Sektion darf auf ein ereignisreiches Vereinsjahr zurückblicken. Im zweiten Teil nimmt uns der Önologe Wolfgang Beiss mit auf eine Reise zwischen der alten und der neuen Welt und zeigt uns Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Primitivo- und Zinfandel-Weinen auf.


Präsident Konrad Burkhalter begrüsst mehr als 60 Mitglieder und führt speditiv durch die Traktanden. Im Jahr 2018 ist zwar der Mitgliederbestand unserer Sektion seit langer Zeit erstmals leicht zurückgegangen. Die einzelnen Anlässe waren aber wiederum sehr gut besucht. Leider ist im vergangenen Jahr unser ehemaliges Vorstandsmitglied Hanni Streit verstorben. Während vieler Jahre hat sich Hanni für unsere Sektion und die Sache der Weinfreunde eingesetzt. In einer Schweigeminute gedenken wir der lieben Verstorbenen. Das vielseitige Jahresprogramm 2019 findet einhellige Zustimmung. Besondere Erwähnung verdient der Auftritt von Kassier Ueli Fischer - präsentiert er uns doch die Jahresrechnung in sich reimenden Versen!

 Der zweite Teil des Abends wird durch Wolfgang Beiss, Önologe und Juror, mit dem apulischen Schaumwein Primitivo A Rosé Brut - einer Rarität - eröffnet. Gespannt folgen wir den Ausführungen unseres Referenten zur Geschichte und Herkunft der Rebsorte. Die bereits im 15. Jahrhundert in Kroatien unter dem Namen Tribidrag bekannte Rebe wurde von Mönchen nach Süditalien gebracht und dort unter der Bezeichnung Primitivo kultiviert, was auf die frühe Reifung dieser Sorte hinweist. Die Namensgebung in den USA beruht auf einem Irrtum. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Rebstöcke der Sorte Zierfandler aus der österreichischen Thermenregion in die USA eingeführt. Irgendwo muss es aber zu einer Verwechslung gekommen sein, da der unter der Bezeichnung Zinfandel bekannte Wein mit der österreichischen Sorte in keiner Weise verwandt ist. Später wurde entdeckt, dass Zinfandel, Primitivo und Tribidrag genetisch identisch sind. Die grössten Anbaugebiete liegen heute in Kalifornien und Apulien.


Die Organisatoren Ursula Baumann und Konrad Burkhalter danken Referent Wolgang Beiss (links)In mehreren Flights werden Primitivo und Zinfandel einander gegenübergestellt. Unsere önologische Reise führt von der alten in die neue Welt und wieder zurück. Dabei stellen wir bei den meisten Weinen eine würzig-fruchtige Aromatik mit Noten von Zimt fest. Den Vertretern aus Apulien ist eine gewisse Grundsüsse eigen, während bei den Vertretern aus Kalifornien ein Hauch Pfefferminz auszumachen ist. Mit der getroffenen Weinauswahl und prägnanten Erklärungen lässt uns Wolfgang den Einfluss des Terroirs sowie verschiedene Macharten und Stile erkennen. Für diesen ebenso lehrreichen wie unterhaltsamen Abend danken die Weinfreunde Thunersee Wolfgang Beiss mit kräftigem Applaus.

 

 

 

Die degustierten Weine (reinsortig, sofern nicht anders vermerkt):


Primitivo A Rosé Brut IGT, Polvanera, Gioia del Colle, Apulien
White Zinfandel 2015 (Blanc de Noir), Blaauwklippen, Südafrika
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Primitivo Rosato Salento 2016, Masseria Pietrosa
„Stone Barn“ White Zinfandel (Blush) 2017, Delicato Family Vineyards
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„Sessantanni“ Primitivo di Manduria OV 2013, Cantine San Marzano
Sonoma County Zinfandel 2013, Seghesio Family Vineyards
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“Ripa di Sotto” Rosso Cuvée Collezione Privata 2015, Provinco                    
(Primitivo, Montepulciano, Aglianico) 
689 Red Wine Cuvée 2016, SixEightNine Cellars
(Zinfandel, Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Petit Sirah)
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“R Collection Lot No. 5” Zinfandel 2014, Raymond Vineyards
Zinfandel Sonoma Buena Vista 2014, Buena Vista Vinicultural Society
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“Carlo Scala” Primitivo di Manduria Riserva 2015, Contri Spumanti SpA
“Imperio LXXIV” Primitivo di Manduria 2015, Feudo Croce - Cantina San Giorgio

 

 

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